Wittenberg (ddp). Der Ort für die Präsentation der diesjährigen Darsteller des Brautpaares Martin Luther und Katharina von Bora zum 14. Wittenberger Stadtfest «Luthers Hochzeit» hätte nicht besser gewählt werden können.
Gegenüber der berühmten Schlosskirche in Wittenberg, an die Luther am 31. Oktober 1517 seine Thesen geschlagen haben soll, wurde am Dienstag das Geheimnis gelüftet: Peter Luther, Nachfahre des Reformators aus der Linie des Bruders des Kirchenmannes, verkörpert Martin Luther. An seiner Seite steht Wiebke Bang. Die 24 Jahre alte Friseurin verkörpert Katharina von Bora. Sie wurde unter sieben Kandidatinnen ausgewählt. Der Reformator Luther (1483-1546) hatte im Juni 1525 die ehemalige Nonne Katharina von Bora (1499-1552) geheiratet. Seit Mitte der 90er Jahre erinnert die Lutherstadt Wittenberg an diese Hochzeit mit einem großen Stadtfest. In diesem Jahr feiert Wittenberg vom 8. bis 10. Juni «Luthers Hochzeit», zu der wieder rund 100 000 Besucher erwartet werden. Etwa 1000 Mitwirkende gestalten dabei den historischen Festumzug. Ebenso viele sind es bei den anderen Veranstaltungen in der Altstadt. Oberbürgermeister Eckhard Neumann (SPD) sieht in dem dreitägigen Spektakel ein Symbol, wie aus einer Tradition ein international beachtetes Fest werden kann. Peter Luther, ehemaliger Berliner Gesundheitssenator und für die CDU weiterhin im Berliner Abgeordnetenhaus tätig, ist voll des Lobes über «seine Frau». Sie sei von den Organisatoren gut ausgesucht worden. Immerhin sei es nicht leicht, wenn man sich nicht kennt, jemanden gleich zu heiraten, sagt der 65-Jährige mit einem Augenzwinkern und fügt hinzu: «Ich hätte sie auch ausgewählt.« Anfangs sei er über seine neue Aufgabe recht skeptisch gewesen, dann neugierig und jetzt kribble es, betont der Wissenschaftler, der im sachsen- anhaltischen Drohndorf geboren wurde. Fast entschuldigend sagt er: «Ich war noch nie meine eigene Geschichte.» Wenn er beim Stadtfest als Luther auftrete, dann sei er auch Martin Luther, sagt der Neffe in der 14. Generation. Er wolle dann an die «guten Familientraditionen mit diesen und jenen Sätzen» anknüpfen, so wie es Martin Luther einst getan habe. Vielleicht entspinne sich auch ein Streitgespräch. Wiebke Bang ist stolz, dass sie unter so vielen Bewerberinnen ausgewählt wurde. Es hätten alle verdient, sagt die Mutter eines zweijährigen Sohnes. Die Aufgabe als Darstellerin sei zwar neu für sie, aber das Stadtfest nicht. Seit zehn Jahren sei sie immer dabei. Jedes Mal sei sie in ein mittelalterliches Gewand geschlüpft. Im Gegensatz zu ihr ist das Stadtfest für ihren Mann auf Zeit etwas Neues. Er war noch nie dabei. (ddp)
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Ansprechpartner: Rebecca Forreiter | Dr. Peter Luther, MdA