Brutalität in der U-Bahn

Meinung

Es ist eine erschreckende Vorstellung:

Der eigene Sohn oder die eigene Tochter sitzt abends in Berlin in einem U-Bahnhof und wird ohne Grund und ohne Sinn und Verstand fast tot geprügelt. Gerade auch ältere Menschen müssen bei diesen Nachrichten schaudern. Wer kann schon wissen, wann es ihn trifft und wer soll noch beurteilen, wer zu solchen unfassbaren Taten fähig ist. Wie soll man sich schützen? Pauschale Antworten gibt es auf diese Fragen nicht. Zu den Entwicklungen des letzten Falls in Berlin schreibt der Focus über die Entscheidung, den Täter (zunächst) wieder laufen zu lassen:

"Der Deutsche Richterbund hat die Entscheidung eines Berliner Richters verteidigt, den U-Bahn-Schläger nach einem brutalen Angriff auf freien Fuß zu setzen. Der Berliner Verbands-Vorsitzende Stefan Finkel sagte am Dienstag in MDR Info, es gebe in der Bundesrepublik gesetzliche Regelungen, wann jemand in Untersuchungshaft genommen und wann er verschont werde. Finkel: „Da es sich hier um einen unvorbestraften Heranwachsenden handelt, der sich selbst gestellt hat und der die Tat voll umfänglich eingeräumt hat, liegen nach Auffassung des Gerichts offensichtlich die Voraussetzungen für eine Haftverschonung vor.“ Finkel betonte, es handele sich aber immer um Einzelfall-Entscheidungen."

Der Täter hat sich selbst gestellt. Und der Täter war vorher nicht negativ aufgefallen. Aber was löst die Entscheidung des Gerichtes aus, diesen Täter wieder gehen zu lassen? Wie muss sich das Opfer fühlen, seine Familie? Wie wirkt sich dies auf unser Rechtsempfinden aus, dass ein Jugendlicher "Streit sucht", ein unschuldiges Opfer findet, fast tot schlägt und tritt, dabei offenbar tanzend große Freude empfindet. Dann kommt dieser Mensch schnell vor Gericht (gut!) und geht kurz danach wieder seiner Wege (schlecht!).

 Wir werden es nicht verhindern können, dass uns allen unverständliche Brutalität an Wehrlosen ausgelebt wird. Aber wir müssen dafür sorgen, dass die Wahrscheinlichkeit, damit ungestraft durchzukommen, möglichst gering ist. Ungestraft wird diese Tat nicht bleiben, aber dass solche Menschen wieder frei herumlaufen dürfen ist falsch. Wenn es sich hierbei immer um Einzelfallentscheidungen handelt, wäre hier die richtige Entscheidung gewesen, den Täter in Untersuchungshaft zu nehmen. Richtig ist auch, an öffentlichen Plätzen und Flächen Überwachungsanlagen zu installieren, mehr Polizisten einzustellen und für eine schnelle Verurteilung solcher Täter zu sorgen. Das alles hat mit "law and order-Politik" nichts zu tun sondern sichert unser Zusammenleben. Dem Opfer und seiner Familie spreche ich mein herzliches Beileid aus - hoffentlich werden sie dieses schreckliche Ereignis nicht nur körperlich sondern auch psychisch überwinden können. Dem Touristen aus Bayern, der mutig eingegriffen und damit noch Schlimmeres verhindert hat, gilt unser großer Dank. Schlimm sind diese feigen Schläger, noch schlimmer sind Zuschauer, die nicht helfen.

GdP-Chef Witthaut betonte, es sei kein Wunder, wenn jugendliche Täter den öffentlichen Raum mittlerweile als rechtsfreien Raum betrachten, da es „kaum noch jemanden gibt, der sie zur Ordnung ruft, und Verstöße gegen Recht und Gesetz, Sicherheit und Ordnung nur lapidar geahndet werden.“ (Welt online) Die rot-rote-grünen Politiker in Berlin gefallen sich darin, beim brutalen Täter nach schweren Kindheitstraumata zu suchen, bei gewalttätigen Versammlungen von politischen Meinungsäußerungen zu sprechen und unsere Polizisten bei ihrer Arbeit nicht nur alleine zu lassen sondern auch noch zu behindern und zu gefährden.